1. Einführung

Der vorliegende Betrieb war sehr klein und wurde vom Vater geführt, der sich um die 10 Milchkühe kümmerte. Sechs Töchter wurden geboren, von denen zwei (Sonja, die älteste und Mara) dann begannen, zusammen mit ihren Ehemännern den Betrieb zu führen. Mittlerweile halten sie 150 Kühe und bieten Bildungsangebote für Schüler an. Es handelt sich hier um das „Schulbauernhof-Projekt“ bei dem jährlich 1500 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Mara wollte den Betrieb schon immer zusammen mit ihrer Schwester Sonia übernehmen – trotz der Tatsache, dass das traditionell meist Männern vorbehalten ist.

2. Betriebsleiter-Profil

Name Mara Longhin
Alter 48
Geschlecht Weiblich
Ausbildung Institut für weibliche Gemeinschaftsdirektoren
Familienstand Verheiratet
Anzahl der Kinder 18

3. Betriebsprofil

Adresse Via G. D'Annunzio, 3 - Campagna Lupia, Venezien, Italien
Betriebsfläche 40 ha
Seit wann ist der Betrieb in Familienbesitz? Seit 82 Jahren
Zahl der Mitarbeiter (Familienangehörige) 4 (Vollzeit) 0 (Teilzeit)
Zahl der Mitarbeiter (Andere Mitarbeiter) 0 (Vollzeit) 1 (Teilzeit)

Beschreibung des Betriebs vor der Übergabe

Ein sehr kleiner Betrieb mit 10 Milchkühen, 2 Hektar Weinbergen und dementsprechend geringem Einkommen.

Beschreibung des Betriebs nach der Übergabe

Nach der Übergabe wurden die alten Gebäude renoviert und neue Scheunen gebaut. Nach der Enttäuschung, dass die zunehmende Milchmenge die Kosten nicht deckt, wurde auf Qualitätsproduktion und Weiterverarbeitung der Milch umgestellt. Die von den 150 Kühen produzierte Milch wird zu 80 % an eine externe Kooperative verkauft (Cooperativa Granlatte). Die übrigen 20 % werden auf dem Betrieb zu Käse weiterverarbeitet, der unter der Marke „Alla Vaccheria“ im Hofladen vertrieben wird. Erfolgreich ist auch der „Schulbauernhof“ den seit 2002 jedes Jahr 1500 Schüler besuchen. Die gepachteten 40 Hektar Land werden im Dreijahres-Rhythmus mit Mais, Luzerne, Weizen, Gerste und Soja bepflanzt. Weiterhin wird auf dem Betrieb eigenes Speiseeis produziert. Der Weinberg wurde gerodet, da er sich nicht rentiert hat und viel Zeit gekostet hat. Der entstehende Kuh-Mist wird zur Düngung verwendet, um auf synthetische Düngemittel verzichten zu können. Leider kann der Betrieb nicht auf Bio umgestellt werden, da aktuell finanzielle Ressourcen zum Kauf weiterer Flächen fehlen. Die überdachte Fläche der neu gebauten Scheunen, Heuschober und Unterstände beträgt 3200 m².

4. Übergabe-Prozess

Der Übergabeprozess wurde von Mara initiiert, die den Betrieb heute führt und sehr darauf gedrängt hat, den Vater in den Ruhestand zu entlassen, um zusammen mit ihrer Schwester den Betrieb zu übernehmen. Es gab ohnehin keine anderen Optionen, da keine männlichen Nachkommen geboren wurden. Nichtsdestotrotz war es herausfordernd, da in der damaligen Zeit hauptsächlich Männer in diesem Beruf tätig waren. Das neue Betriebskonzept wurde dann in Einklang mit der bisherigen Betriebsausrichtung erstellt und Milchproduktion auf professionellerer Basis etabliert. Durch das Verarbeiten der Milch zu Käse kann lokale Wertschöpfung betrieben werden. Ein weiterer Schritt hin zu einem multifunktionalen Betrieb war dann die Idee als „Schulbauernhof“ zu arbeiten, um den Betrieb und das Einkommen zu erweitern.

Probleme und Herausforderungen


  • Die Bürokratie bei der Gründung und Verwaltung eines landwirtschaftlichen Betriebs.
  • Die Übergabe an sich war kein Problem. Herausfordernd war dagegen die Renovierung und Umstellung auf das neue Konzept.
  • Die Gebäude genehmigt zu bekommen und alle Regularien einzuhalten hat länger gedauert als gedacht.
  • Die Belastungen durch die Bankkredite waren größer als geplant.
  • Die familieninternen Diskussionen über die Pläne und deren Umsetzung. Bei einer Familie mit sechs Töchtern hat es einige Zeit gedauert, bis geklärt war wie es weitergeht und wer für was zuständig sein wird.

Wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen

  • Um im Hinblick auf die Finanzierung richtige Entscheidungen treffen zu können ist es wichtig, fundierte Kenntnisse im Bereich der staatlichen Fördermaßnahmen zu haben.
  • Betriebsmanagement-Fähigkeiten sind wichtig um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Auch Investitions- und Mitarbeiterführungs-Know-How sind wichtig.
  • Training für Innovationen und Trends, die nachhaltigeres und profitableres Wirtschaften ermöglichen, die Nutzung und Verwaltung von erneuerbaren Energiequellen sowie das Führen eines Schulbauernhofs.
  • Lösungsansätze für Bürokratie-Probleme und andere praktische Bereiche.

Nach der Übergabe des Betriebs im Jahr 1996, nach dem Tod ihrer Mutter, wurde der Betrieb konsequent zu einem professionellen landwirtschaftlichen Unternehmen weiterentwickelt, das eine klare Vision, Strategie und Ziel verfolgt. Wichtige Rückmeldungen bekommen sie dabei von Kindern, die einige Tage auf dem Betrieb sind und ihre Zufriedenheit ausdrücken. Es ist deshalb wichtig auf die Kunden zu hören und zu schauen wo ihre Bedürfnisse liegen. Dabei muss man darauf achten Produkte anzubieten, die sich von der Konkurrenz abheben. An den Kindern kann man dabei gut ablesen, was die zukünftigen Bedürfnisse sein werden. Das Hauptziel des Betriebs besteht jedoch darin, Qualität, Sicherheit und Tierwohl zu schaffen.

Mara Longhin
Rat

5. Überlegungen, Fähigkeiten, Kompetenzen die für den Übergabeprozess wichtig sind, sowie Fragen und Reflektion