1. Einführung

Der Milchviehbetrieb wurde vom Übergeber ausgesiedelt und von ursprünglich 12 Milchkühen und 8ha Bewirtschaftungsfläche auf 120ha Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung sowie eine Milchviehhaltung mit 45 bis 50 Milchkühen und eigener Nachzucht entwickelt. Als seine Tochter mit dem Schwiegersohn 2008 nach Studienabschluss auf den Hof kam, wurde begonnen, gemeinschaftlich am Hof zu arbeiten. 2011 wurde eine operative Betriebsgesellschaft gegründet. Heute leben 3 Generationen am Hof. Nach einer persönlich herausfordernden Phase kam es im Jahr 2016 schließlich zur Hofübergabe, nachdem das junge Übernehmer-Paar schon plante, vom Hof zu gehen, und sich andernorts eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen.

2. Betriebsleiter-Profil

Name Keine Angabe
Alter 36
Geschlecht Männlich
Ausbildung Master in Agrarwissenschaften; Imker-Schulung; Freie Landbauschule.
Familienstand Verheiratet
Anzahl der Kinder 7; 4.

3. Betriebsprofil

Adresse Baden-Württemberg
Betriebsfläche 130 ha
Seit wann ist der Betrieb in Familienbesitz? Mehrere Generationen
Zahl der Mitarbeiter (Familienangehörige) 2 (Vollzeit) 1 (Teilzeit)
Zahl der Mitarbeiter (Andere Mitarbeiter) 1 (Vollzeit)

Beschreibung des Betriebs vor der Übergabe

Der Betrieb wurde sehr stark vom Übergeber entwickelt. Nach enormen Wachstumsschritten, Flächenzukäufen und Zupacht stabilisierte sich der Betrieb auf ca. 120ha LF und einer Milchviehhaltung von ca. 45 Kühen mit Nachzucht und Mast. Bereits vor der Übergabe wurden im Rahmen der gemeinsamen Betriebsgesellschaft viele Veränderungen vorgenommen:
- Heumilch-Produktion
- Bio-Produktion
- Innovative Weidehaltung
- Imkerei (20 Völker)
- Agrar-Land-Tourismus
- Veranstaltungen auf dem Hof
Es wurde das Bestehende entwickelt, und mit gemeinsamen Kräften an den Stellschrauben gearbeitet, die neben den großen Entwicklungsschritten im Betrieb des Übergebers nicht gedreht werden konnten.

Beschreibung des Betriebs nach der Übergabe

Nach der Übernahme in 2016, die sehr viel Kraft gekostet hatte, sind zunächst alle Beteiligten froh über den erreichten Zustand, und tanken Energie für neue Aufgaben. Der Übergeber ist weiter für den Hof aktiv. Die Übernehmer planen nun die nächsten Entwicklungsschritte in Richtung Tourismus auf dem Land, um die Einkommensbasis weiter zu verbreitern. Die Übernehmer wollen ihren eigenen Weg gehen, und schätzen die Leistung der Vorgänger-Generation.

4. Übergabe-Prozess

Der Hofübergabe-Prozess wurde zu einer großen Herausforderung. Bereits im Jahr 2010 wurde eine Beratung und Mediation zur Begleitung des Hofübergabeprozesses eingeschalten. Die Übernehmer machten sich im Vorfeld ihrer Heirat (2011) Gedanken darüber, wie Sie zukünftig ihren Lebensunterhalt verdienen würden, und wollten auch die betriebliche Realität vertraglich dokumentiert haben. So wurde 2011 die Betriebsgesellschaft gegründet mit Vater und Schwiegersohn. Parallel zur Betriebsentwicklung seit dieser Zeit entwickelte sich ein sehr beanspruchender sozialer Prozess zwischen den Generationen. Es gab unterschiedliche Positionen und Überzeugungen bzgl. der Betriebsführung und der weiteren Betriebsentwicklung. Übergeber und Übernehmer sind starke Persönlichkeiten, die sehr unterschiedlich sind. Es gibt sehr starke Erwartungshaltungen des Übergebers und damit in Verbindung auch Angst vor Scheitern des Übernehmers. Er fühlt nach wie vor, dass er dem Übergeber etwas beweisen muss. Man merkte die starke Bindung des Übergebers zu seinem Lebenswerk.
Trotz umfangreicher Beratung und immer wiederkehrenden Gesprächen eskalierte die Übergabesituation so weit, dass die designierten Übernehmer an Weihnachten 2015 die Entscheidung trafen, den Hof zu verlassen. Sie begannen aktiv mit der Suche nach einem Hof, der eine außerfamiliäre Hofübernahme möglich machen würde. Dann lenkte der Übergeber ein. Der Übergeber überreichte dem Übernehmer beim Protokollieren des Vertrages symbolisch den Staffelstab, und alle gemeinsam gingen am Abend zum Essen, um diesen Schritt zu feiern.
Es sind auch nach Übergabe noch Ängste, Sorgen und Nöte zu spüren, die Sand ins Getriebe bringen: sowohl betrieblich wie auch sozial. Wie schon vor der Übergabe, so rechnet der Übernehmer auch nach Übergabe noch damit, dass es dauern wird, endlich das Optimum aus Nähe und Distanz sowie Loslassen und Anpacken zu finden.
Alle Beteiligten haben Kraft in dem Übergabeprozess gelassen. Sie sind jedoch heute froh, ein Ergebnis gefunden zu haben, und weiter in drei Generationen – die beiden Kinder sind 7 und 4 Jahre alt – gemeinsam am Hof zu leben. Natürlich in zwei separaten Wohnräumen, die im Zuge der Familiengründung bereits im Jahr 2014 getauscht wurden.

Probleme und Herausforderungen

  • Kommunikation: man muss miteinander reden, und seine Position auch klar vorbringen. Auch nonverbale Kommunikation ist sehr wichtig. Dadurch, dass wir uns konsequent gezeigt haben, und tatsächlich den Abschied vom Hof geplant haben, kam am Ende die Bewegung auch von Seiten des Übergebers. Es ist eine Herausforderung im Gespräch und am Tisch zu bleiben, wenn es emotional wird und Vorurteile im Raum stehen.
  • Erwartungen/ Ängste: unterschiedliche oder zum Teil auch zu hohe Erwartungshaltungen sind sehr schwer in Einklang zu bringen. Mediation und Beratung einzubeziehen hilft. Jedoch muss die Lösung am Ende von den Beteiligten selbst gewollt und konkret angestrebt werden. Klarheit im Gegenüber ist wichtig. Anstatt ständig auf die eigene Erwartung zu fokussieren sollte man auch anerkennen, dass jeder von uns ein toller Mensch und Ekelpaket zugleich ist.

Wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen


  • Ein stärkerer Glaube an sich selbst hätte dem Übernehmer in der Auseinandersetzung mit der Situation und mit dem Übergeber gutgetan. Hier wäre er gerne selbstbewusster aufgetreten.

  • Das hatte auch damit zu tun, dass an manchen Stellen vielleicht die Klarheit fehlte, selber zu wissen wofür man steht, und was man will.

  • Wissen, wofür man steht, und wo man hin will gepaart mit dem notwendigen Glauben an sich selbst führt dann auch zur notwendigen Durchsetzungskraft.


“Öffne Dich, und bleibe mit großer Klarheit im Gespräch mit dem Übergeber! Nimm verschiedene Blickwinkel der Situation ein. Damit kann Verständnis für die anderen entstehen! Nimm Dich selbst nicht zu wichtig, bleibe aber hartnäckig!”

“Am Ende empfiehlt sich immer tugendhaftes Handeln: Bleibe ehrlich und treibe keine Spielchen! Es steht betrieblich und persönlich viel auf dem Spiel!”


Rat

5. Überlegungen, Fähigkeiten, Kompetenzen die für den Übergabeprozess wichtig sind, sowie Fragen und Reflektion